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01.06. – 09.06.2024

Bei strömendem Regen machten sich um 05.00 Uhr früh 42 Burghauserinnen und Burghausen sowie Landkreisbürger auf in den warmen Süden um dem hiesigen Dauerregen zu entrinnen.
Der Wettergott war den Reisenden hold und ab Sterzing schien die Sonne. Der erste italienische Cappuccino weckte die Lust auf mehr. Nach einer Zwischenübernachtung in Bologna, der altehrwürdigen Kapitale im Norden mit 38 km Arkaden, einem Stadtrundgang in der Altstadt mit den berühmten Geschlechtertürmen ging es am Sontag weiter der Strada del Sole entlang Richtung Süden mit wunderschönen Ausblicken auf die Adria.
Unsere Reiseteilnehmer wurden wie immer bestens durch unsere bewährte Buscrew, Irene Blaha, Hella Hühnlein und Heini Peterwinkler, mit italienischem Rotwein, bayerischer Brotzeit und süßen Verlockungen versorgt.

Nach insgesamt 1050 Kilometern erreichten wir Sulmona und unser Hotel „Sagittario“. Dort wurden wir als Freunde empfangen, da wir bereits zum 18. Mal dort logierten. Nachmittags gab es Gelegenheit, sich die Altstadt von Sulmona durch Raphaela Cavazutti zeigen zu lassen und durch die Jahrhunderte alten Gassen zu flanieren. Abends wurden wir mit einem originalen italienischen Kalt/Warm Buffet verwöhnt, dessen Highlight ein im ganzen geschmorter Schweineschlegel „Cosciotto“ von Heini Peterwinkler in bayerischer Tracht in Stücke zerlegt und den Reisenden sowie einigen italienischen Freunden serviert wurde. Heinrich Peterwinkler war bereits das 15. Mal dabei.

Montags gings zum Baden ans Meer an einen wunderschönen Strand im Ortsteil Francavilla von Pescara, dem ehemals nur hundert Einwohner zählenden, malerischen Fischerdorf, das von einer Malerkolonie mit zahllosen romantischen Gemälden in ganz Italien bekannt wurde und dessen Einwohnerzahl in nicht mehr als Hundert Jahren auf mehr als 300.000 gestiegen ist. Auf der Rückfahrt deckten wir uns im Familienbetrieb Masciarelli in Pratola mit Spezialnudeln „trafilata al bronzo“ ein. Alle die das noch nicht kannten, durfte ich durch die Fabrikationsanlagen führen und erklären wie original italienische Pasta hergestellt wird.
Am Dienstag ging es dann 180 km quer durch die einsamen Abruzzen nach Neapel und Pompeji entlang am Golf von Neapel mit wunderschönem Blick auf die Inseln Capri und Ischia bis nach Pompeji. Rast haben wir in der Stadt Caianello gemacht. Unser örtlicher Partnerschaftsbeauftragter Paolo Alessandroni verschafft uns die Gelegenheit einen der besten Büffelmozarelle Italiens, frisch gemacht, quasi noch kuhwarm, zu verkosten. Nachdem wir uns mit einem Kasten Müllerbräu Weißbier und Confetti aus Sulmona bedankt hatten, fiel der Preis den wir zu bezahlen hatten sehr gering aus.  Ein italienisches Sprichwort besagt: „una mano lava l`altra, e tutte due la facia,“ übersetzt: „Eine Hand wäscht die andere und beide das Gesicht.“

Bei gleißender Hitze von fast 35 Grad wurden uns in Pompeji von 2 deutschsprachigen Führerinnen die Ausgrabungen gezeigt und erläutert. Interessant war es, neue Ausgrabungen live miterleben zu können. Ca. 25 Prozent der durch Vulkanasche verschütteten Stadt warten noch, vom fast 2000 Jahre darauf lagernden Vulkangestein befreit zu werden. Die neuen Ausgrabungen werden fast ausschließlich durch Gelder der EU finanziert. Abends hatten wir in einem örtlichen Ristorante Mezza Luna Gelegenheit original neapolitanische Vorspeisen und die berühmte originale Pizza sowie Weine von den Hängen des Vesuvs zu verkosten.
Am Mittwochvormittag hatten wir Gelegenheit, die Altstadt von Sulmona mit dem wunderschönen Wochenmarkt zu durchstreifen. Leider fiel der angesetzte Empfang durch den Bürgermeister Gianfranco wegen einer kurzfristig angesetzten Stadtratssitzung aus.
Nachmittags führte uns die Reise unter Begleitung des Malers Nunzio di Placido, der seine Bilder schon mehrfach in Burghausen ausgestellt hat, in das ca. 30 km entfernte Städtchen Capestrano.
Der berühmteste Sohn der Gemeinde ist San Giovanni di Capestrano, der Sohn eines deutschen Grafen, der aufgrund religiöser Streitigkeiten ins katholische Italien ausgewandert war. Der studierte Jurist erfuhr in einer Vision von seiner religiösen Bestimmung, studierte Theologie, wurde Priester, päpstlicher Berater und Kirchenrechtler und Inquisitor. Berühmtheit erlangte er allerdings als Kämpfer in den Kreuzzügen. Er war Angehöriger des Franziskanerordens und wir hatten die Gelegenheit das wunderschöne Kloster, das noch von 2 Mönchen bewohnt wird, zu besichtigen. Dort wird das Leben des Heiligen in zahllosen wunderschönen Fresken in einer Art Kreuzgang dargestellt. Ein weiteres Highlight war die Besichtigung der weitgehend im Original erhaltenen prachtvollen Kirche Chiesa di San Pietro ad Oratorium, deren Grundsteinlegung auf das Jahr 752 zurückzuführen ist.
Unser Busfahrer Helmut Fabian sorgte mit seinen Fahrkünsten für brandenden Applaus der Fahrgäste und zahlreiche den Bus fotografierende Italiener, als er das 14 Meter lange und 22 Tonnen schwere Gefährt, gekonnt durch die engen Gassen des Bergdorfes mit teilweisem Abstand von links und rechts wenigen Zentimetern zu den Hausmauern zirkelte.
Den Donnerstag verbrachten wir bei wunderschönem Wetter am Meer beim Baden und wurden mit frischen Fischgerichten verwöhnt. Einfach nur Seele baumeln lassen.

Als wir am Donnerstagabend in Sulmona auf der Piazza Garibaldi vor dem Ristorante San Filippo 63 auf unser Abendmenü warteten erreichte mich ein Anruf unseres Altbürgermeisters Hans Steindl. Er sitze gegenüber in einem Cafe und ich solle ihn doch anholen. Als unser Altbürgermeister zur Gruppe stieß waren die Freude und das Hallo riesengroß. Hans Steindl konnte viele Freunde aus Sulmona begrüßen und während des hervorragenden Menus wurde in zahlreichen Erinnerungen geschwelgt und dutzende Fotos mit dem Ehrengast gemacht.
Am letzten Tag unserer Reise in Sulmona fuhren wir unter Begleitung von Hans Steindl ans Meer. Auf der Fahrt dorthin erzählte Hans Steindl im Bus die Geschichte der Entwicklung der Partnerschaft mit Sulmona und die Geschichte des Städtepartnerschaftsvereins. Er bedankte sich bei allen, die dabei mitgewirkt hatten.

Hans Steindl ließ es sich nicht nehmen unsere Reisegruppe bei meiner letzten von mir organisierten Sulmonafahrt zu besuchen.
Am Freitagabend konnten wir im wunderschön beleuchteten Hotelgarten unser Buffet im Freien einnehmen. Wieder konnte Herr Altbürgermeister Steindl viele Freunde aus Italien begrüßen. Gemeinsam mit Heini Peterwinkler schnitt er den Festtagsbraten auf.
Bei der Rückfahrt am Samstag machten wir Station Loreto und in Verona und Raphaela zeigte uns die wunderschöne Stadt.
Am Sonntag, gegen 20.00 Uhr kamen wir erschöpft aber glücklich und versorgt mit Olivenöl, Pecorino, Nudeln und Wein in Burghausen an.
Besonderer Dank gilt unseren beiden Busfahrern Helmut Fabian und Franz Murr von der Firma Brodschelm, die uns über 3300 km immer sicher und gesund ans Ziel gebracht haben.
Nach fast 26 Jahren im Dienst für die Partnerschaft und 48 organisierten Reisen dorthin werde ich nun aus Altersgründen kürzer treten und nur noch privat in meine zweite Heimat Sulmona fahren.

Bericht:                        Horst Hauf