Bei der Bürgerfahrt des Städtepartnerschaftsverein steht die neue Orgel der Minoritenkirche im Fokus
Erklungen ist sie schon mehrmals, seit sie im Juni geweiht wurde, doch wohl selten in einem Maße wie am vergangenen Dienstag. Da nämlich spielte der Burghauser Organist und Regionalkantor Heinrich Wimmer auf der neuen Orgel der Minoritenkirche St. Peter und Paul in der Partnerstadt Ptuj. Wimmer war mit seiner Partnerin zur Bürgerfahrt des Städtepartnerschaftsvereins dazugestoßen, begleitete die fast 60 Teilnehmer zählende Gruppe ein paar Tage und spielte, als einer der Höhepunkte der Fahrt, ein Orgelkonzert.
Das Instrument für den Auftritt war nicht willkürlich gewählt, hatten doch die Burghauser seinen Kauf möglich gemacht. Beim Festgottesdienst zum Städtepartnerschaftsjubiläum im vergangenen Herbst, den der Chor von St. Peter und Paul aus Ptuj musikalisch umrahmt und den der dortige Pater Milan Kos gemeinsam mit Stadtpfarrer Erwin Jaindl zelebriert hatte, war eine Kollekte von 1025 Euro zusammengekommen. Den Betrag rundete Bürgermeister Florian Schneider großzügig auf, sodass 5000 Euro nach Ptuj überwiesen werden konnten. Damit war endlich das Geld beisammen, um der Minoritenkirche eine neue Orgel kaufen zu können.
Das Gotteshaus war im Zweiten Weltkrieg zerstört und von 2001 bis 2011 umfangreich restauriert worden, doch für eine Orgel hatte lange das Geld gefehlt. Zur Orgelweihe im Juni war eine kleine Delegation Burghauser in die Partnerstadt gefahren, von Montag bis Freitag vergangene Woche folgte eine Reise im großen Kreis.
Ptujs Bürgermeisterin Nuška Gajšek freute sich in ihrer Ansprache in der Minoritenkirche, dass die Verbindung zu Burghausen so stark ist. Gern nahm sie im Rahmen des Besuchs aus Burghausen die Einladung zum Burghauser Brückenlauf am 15. Oktober entgegen. Ptuj sei gerade dabei, ein Team zusammenzustellen, sagte sie. Die Rede von Zweitem Bürgermeister Norbert Stranzinger sorgte für so manches Schmunzeln unter den slowenischen Zuhörern. Er hatte seine Ansprache ins Slowenische übersetzen lassen und las sie sodann vor, wobei das ob der nur spärlich gesäten Konsonanten in den Wörtern gar nicht so leicht war. Zusammengefasst sagte er: „Heute ist ein bedeutender Moment in der Geschichte unserer Partnerschaft. Zahlreiche Stunden harter Arbeit, Hingabe und Leidenschaft waren erforderlich, um die Orgel in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.“ Die Orgel sei nicht nur ein Instrument, sondern ein Ausdruck von Gemeinschaft, Glauben und musikalischer Leidenschaft. „In den Händen begabter Organisten, wie heute Heinrich Wimmer, wird sie Geschichten erzählen, Emotionen hervorrufen und uns auf eine klangvolle Reise mitnehmen.“ Er forderte: „Lassen Sie uns diese Einweihung nicht nur als technische Errungenschaft sehen, sondern als spirituellen Augenblick, der unsere Bindung zur Musik stärkt und unsere Freundschaft vertieft.“
Stücke von Johann Sebastian Bach, Johann Joseph Fux, August Gottfried Ritter und Anton Schmid. Für Wimmer war es nicht nur eine Premiere, auf dieser Orgel zu spielen, es war überhaupt sein erster Auftritt in der Partnerstadt, wie er berichtet. Groß geübt hatte er nicht, gingen die neuen Tasten doch ziemlich schwer und sollte die Kraft schließlich bis zum Schluss reichen. Das tat sie – und Wimmer tat mit seiner Musik genau, was Norbert Stranzinger angekündigt hatte: Geschichten erzählen von einer Freundschaft der beiden Partnerstädte, die nicht nur die Musik verbindet.
Zum Vertiefen der Freundschaft hatten die Burghauser Gäste in der vergangenen Woche zahlreiche Gelegenheiten. Nach der Ankunft am Montag folgten unter anderem eine Stadtführung, die Besichtigung eines Handwerksbetriebs zur Herstellung der Kurentenmasken und der Besuch des Kurentenmuseums.
Kurenten sind Fabelwesen, die in der Faschingszeit nicht aus dem Stadtbild von Ptuj wegzudenken sind. Die zotteligen Figuren im Schafspelz, mit langen roten Zungen und verzierten Hörnern zählen zum Kulturerbe und sind eine der Besonderheiten Ptujs. Eine weitere ist der Wein und so standen eine Weinprobe und der Besuch bei einem Weinbauern auf dem Plan. Auch eine Tour durchs Schloss war im Angebot, wo am Wochenende das alljährliche Burgfest stattfand. In diesem Jahr – obwohl es das 20. Fest seit der Burghauser Partnerschaft ist – ohne Beteiligung aus der Salzachstadt. Organisatorisch war eine Teilnahme heuer nicht möglich.
Für die Reisegruppe ging es am Donnerstag stattdessen weiter ins kroatische Rijeka. Dieser Abstecher war eigentlich schon 2020 geplant, als Rijeka zur Kulturhauptstadt bestimmt worden war. Corona-bedingt musste die Reise allerdings ausfallen und wurde nun nachgeholt.
Über die Stadt Ptuj erscheint demnächst noch ein Beitrag im Reiseteil der Heimatzeitung.

Über das gelungene Konzert freuten sich (vl) 2. Bgm Norbert Stranzinger, Heinrich Wimmer, Bürgermeisterin Nuška Gajšek, Pater Milan Kos

Neben den Kurenten zählt der Wein zu einen der Besonderheiten Ptujs. Und so stand am Mittwoch der Besuch bei der Weinbauernfamilie Lovrec auf dem Programm, bei der die Besucher aus Burghausen und Umgebung nicht nur die kulinarisch versorgt, sondern auch musikalisch empfangen worden.
Bericht: Johanna Richter – PNP Burghausen 11. Sep. 2023
Fotos: Hartmut Enders, Marian Petek