16.04. 20.04.2023
Warum fahren sechs gestandene Mannsbilder in einem Kleinbus der Stadt Burghausen nach Fumel? Warum starten sie in aller Herrgottsfrühe, also ab 05:30 Uhr zu dieser Fahrt und sind insgesamt fünf Tage unterwegs, um am letzten Tag gegen 23:30 Uhr wieder zu Hause anzukommen? Nur des Vergnügens wegen, oder hat es einen oder mehrere wichtige Gründe gegeben?
Ein wichtiger Grund ergibt sich schon allein aus dem Zweck der Städtepartnerschaft/Jumelage mit Fumel: „Trotz einer solide geschaffenen Basis in unserer Jumelage ist es immer noch eine wichtige Aufgabe unseres Vereins, vorhandene Ressentiments abzubauen und über unsere unmittelbaren europäischen Nachbarn Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Welt im Neuen Europa organisiert sich neu, Grenzen haben ihre Bedeutung verloren, und die Globalisierung bietet Chancen, von denen Generationen vor uns nur träumen konnten. So ist es heute wichtiger denn je, den Dialog und das Miteinander zu suchen.“ [Homepage des Städtepartnerschaftsvereins] Für Freunde nimmt man sich immer gerne Zeit.
Ein weiterer wichtiger Grund hat sich aus der Tatsache ergeben, dass die Vertreter*innen der Association de Jumelage Fumelois Burghausen aus Anlass der 20-Jahr-Feier der Partnerschaft mit Ptuj besuchten und damals auch beschenkt wurden. Das Problem, das sich daraus ergab, war die Frage, wie sie diese Geschenke nach Fumel transportieren sollten, waren sie doch per Flugzeug angereist. Aber das Problem ist schnell gelöst worden, eben mit dieser Reise der sechs ehrwürdigen Herren in dem Kleinbus der Stadt Burghausen, den zu fahren sich die Herren immer wieder abwechselten. Und gleich können wir schon einmal unseren Dank an die Stadt Burghausen für das Fahrzeug aussprechen.
Bei der Hinfahrt wurden nicht nur Brotzeitpausen eingelegt, sondern auch ein ausgewachsener Zwischenstopp in der Stadt Beaune, wobei dann auch noch genügend Zeit für einen Besuch der Hospices de Beaune, Musée de l’Hotel de Dieu und einen Bummel durch die historische Altstadt von Beaune blieb. Das sogenannte Hospiz wurden 1443 gegründet und war seitdem ein Krankenhaus besonders für die Bedürftigen. Nicolas Rolin und seine Frau Guigone de Salin erschufen Gebäude, deren Architektur und künstlerische Ausstattung den Besucher auch heute noch beeindrucken. Spenden und Erbschaften haben das Krankenhaus finanziell so stabil gehalten, dass auch noch Weinbau betrieben werden konnte, dessen Produkt bis heute berühmt und begehrt ist, sodass der Wein immer noch zur Finanzierung des Krankenhauses beiträgt. 1971 wurde ein modernes Krankenhaus gebaut, sodass der Besucher heute in den historischen Gebäuden das beeindruckende Museum besichtigen kann.
Am nächsten Tag, 17.04.2023, erreichten wir am Nachmittag Fumel und quartierten uns im Hotel Brit gleich hinter der Stadtkirche ein. Natürlich wurden wir von Madame Martine Longuet und ihrem Mann Yannick begrüßt und zum Aperitif ins Rathaus eingeladen. Dort trafen wir viele Mitglieder des Stadtrates und Madame Costes, die Frau des Bürgermeisters sowie Bürgermeisterin von Bonaguil, deren Mann zu dieser Zeit in der Ukraine unterwegs war. Der Aperitif wurde veredelt durch ein spontanes Konzert am Flügel von Thomas Heinrich, der die versammelte Gesellschaft zu stürmischem Applaus anregte. Das Abendessen fand im Restaurant Le Royalty statt und schloss den Tag sowie den Abend angenehm ab.
Der Dienstag sollte unser großer Ausflugstag werden, an dem wir mit Martine die weitere Umgebung erkunden wollten. Erstes Ziel war die Bastide von Domme mit dem atemberaubenden Blick in das Tal der Dordogne vom Burgpark direkt am Felsabhang. Dass beim Bau dieser Bastide auf dieser Seite der Stadt auf eine Befestigungsmauer verzichtet wurde, hat man im Laufe der Geschichte bedauert, für uns ist jedoch der überwältigende Ausblick auf die Dordogne geblieben. In Beynac et Cazenac wurde uns gezeigt, welch schöne Burgen gebaut wurden, um die dazugehörige Bastide zu verteidigen. Für spirituelle Momente gab es Gelegenheit in der Abtei und im Kloster von Cadouin mit seinem Kreuzgang, der mit vielen Ornamenten und Figuren geschmückt ist, die auch einen Einblick in viele menschliche Eigenwilligkeiten ermöglichten. Über die Bastide von Monpazier mit Kaffeepause kamen wir wieder nach Lacapelle Biron zu dem Denkmal, das an die furchtbaren Ereignisse erinnerte, als eine deutsche Militäreinheit viele Bewohner verschleppte und umbrachte, um diese Unschuldigen für Aktionen der Resistance zu „bestrafen“. Ganz im Sinne des Gedenkens, das unsere Jumelage auch leisten soll, trafen wir uns erneut mit den Nachfahren der damaligen Opfer und stellten je eine Blumenschale am Denkmal ab. Zum Abendessen waren wir Biron eingeladen und ließen diesen wunderbaren Tag Revue passieren.
Eine Reise nach Fumel bedeutet immer, dass man sich einige schmackhafte Souvenirs mit nach Hause bringt. Also war der Mittwoch auch dafür vorgesehen, einkaufen zu gehen, aber erst nach dem Besuch von Tournon d’Agenais, einer weiteren sehenswerten Bastide, die im Mittelalter zur Absicherung der Macht der französischen Könige gegründet worden war. Nach einem wunderbaren Mittagessen bei Freunden in Condat ging es dann zur Domaine de Cause in Cavagnac, um köstlichen Wein zu kaufen. Die nächste Spezialität waren die Trockenpflaumen von Roucadil in Montayral sowie weitere regionale Süßigkeiten. Im Supermarkt Leclerc, gleichsam fast um die Ecke, machte sich jeder von uns auf die Suche nach Spezialitäten, die man bei uns so einfach nicht bekommt, z.B. Foie gras. Dieser geschäftige Tag fand seinen Abschluss bei einem Abendessen in Bonaguil mit sehr vielen Freunden des Partnerschaftsvereins Fumel, bei dem wir über viele Themen sprachen, auch darüber, wie wir die Jumelage weiterhin attraktiv und interessant für unsere jeweiligen Mitbürger erhalten können.
Auch wenn die Tage unter Freunden in der und rund um die Partnerstadt Fumel einfach schön waren, ging es jedoch am Donnerstag, 20.04., in einem Zug zurück nach Hause. Innerhalb von fünfzehneinhalb Stunden fuhren uns wechselnde Fahrer in unserem Kleinbus auf direktem Weg nach Burghausen, lediglich unterbrochen von ein paar Brotzeitpausen. Müde, aber glücklich stiegen wir jeweils vor unseren Häusern aus. Während der noch verbleibenden kurzen Nacht träumten wir sicherlich alle von den intensiven Erlebnissen und anregenden Gesprächen mit unseren Freunden aus Fumel.
Vielen Dank an alle, die diese intensive Reise möglich gemacht haben:

Gebinde des Städtpartnerschaftverein Burgausen am Mahnmal der verschleppten und deportierten Bürger aus La Capelle Biron

Bürger der Nachfahren aus La Capelle Biron vor dem Gedenkstein und Madame Martine Longuet (2.vl), Helmut Fabian (3.vl), Bartl Lehrhuber (3.vr)

(vr) Bürgermeisterin von Bonaguil Madame Costes, Madame Martine Longuet, 2. Bürgermeisterin von Fumel Madame Marie-Lou Talet, Helmut Fabian
Bericht: Dr. Günther Zahn
Bilder: Hartmut Enders